«ANAXAM ist eine weitere, zukunftsweisende Plattform für interdisziplinäre Zusammenarbeit, die eine Brücke zwischen Forschung und Industrie schlägt und wir sind froh, unsere Expertise und Infrastruktur in diese öffentlich-private Partnerschaft einbringen zu können.»

Prof. Dr. Christian Schönenberger, Direktor des SNI

 

2019 wurde vom Paul Scherrer Institut, dem Swiss Nanoscience Institute (SNI), der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), dem Kanton Aargau und einigen Industriepartnern das vom Bund unterstützte Technologietransfer-Zentrum für angewandte Materialanalytik gegründet. Dieses ANAXAM (Analytics with Neutrons and X-Ray for Advanced Manufacturing) genannte Zentrum bietet als Dienstleister modernste Materialanalytik für Industrieunternehmen an, die mit modernen Fertigungstechnologien arbeiten. Ende September 2019 wurde das Konzept für ANAXAM sowie die finanzielle Absicherung in der Startphase durch den Dachverband Advanced Manufacturing Technology Transfer Center (AM-TTC) Alliance genehmigt und im Dezember 2019 hat ANAXAM seinen Betrieb aufgenommen.

Christian Grünzweig und Sin Ting Cynthia Chang arbeiten zusammen für ANAXAM an Nano-Argovia-Projekten und nutzen die einzigartige Infrastruktur des PSI.

Fortschrittliche Fertigung «Made in Switzerland»
«Made in Switzerland» steht für hohe Qualität und das soll auch in Zukunft so bleiben. Daher werden in der Schweiz moderne Fertigungstechnologien erforscht und entwickelt. Bevor jedoch eine verbesserte Technik, ein innovativer Prozess oder ein neues Material seinen Weg vom Labor in die industrielle Fertigung findet, sind einige Hürden zu bewältigen.

Mit dem «Aktionsplan Digitalisierung» unterstützt der Bund die Bemühungen, die Schweiz auch weiterhin als exzellenten Produktionsstandort zu bestätigen. Unter anderem sollen Technologietransfer-Zentren im Bereich fortschrittlicher Fertigungstechnologien aufgebaut werden, die den Technologietransfer von der Forschung in Industrieunternehmen unterstützen. Die daraufhin gegründete Allianz der «Advanced Manufacturing Technology Transfer Centers» (AM-TTC) ist der Dachverband aller entstehenden Technologietransfer-Zentren und verantwortlich für die strategische Ausrichtung sowie die Abstimmung der einzelnen Zentren. Im Verbund wird Industrieunternehmen die notwendige Infrastruktur zu Verfügung gestellt, um neue, verbesserte Prozesse zu entwickeln und innovative Produkte auf den Markt zu bringen. (Link zur ANAXAM-Webseite)

Materialanalytik unterstützt Optimierung
«Eine exzellente Materialanalytik kann bei dem Technologietransfer entscheidende Informationen liefern. Daher entstand im Kanton Aargau die Idee, ein Technologietransfer-Zentrum aufzubauen, das die am Paul Scherrer Institut (PSI) entwickelte und betriebene Neutronen- und Röntgenanalytik für Schweizer Industrieunternehmen verfügbar macht», berichtet Dr. Christian Grünzweig, Geschäftsführer von ANAXAM. Dabei steht ANAXAM nicht nur als Dienstleister bereit, sondern ist ein Garant für Innovation in der Analytik», fügt er hinzu.

Durch die Beteiligung der FHNW und des SNI an ANAXAM wird die Palette der verfügbaren Methoden, Geräte und Expertisen noch erweitert. Das Spektrum der Anwendungen ist dabei vielfältig und deckt ganz unterschiedliche Industriezweige ab. Die verschiedensten Materialien können detailgenau analysiert und vermessen werden, winzige Modifikationen auch im Inneren eines Produkts lassen sich darstellen und Produktionsprozesse lassen sich mit den zur Verfügung stehenden Methoden untersuchen und optimieren.

Wesentlicher Meilenstein erreicht
Nach intensiver Vorbereitung durch Vertreter des PSI, des Kantons Aargau, der FHNW und des SNI wurde im Mai 2019 der Verein ANAXAM gegründet, mit dem Ziel das Technologietransfer-Zentrum ANAXAM für angewandte Materialanalytik im Bereich fortschrittliche Produktionstechnologien aufzubauen. Ende September bekam ANAXAM grünes Licht vom Dachverband AM-TTC. In der Startphase 2019 bis 2020 erhält ANAXAM damit Mittel von insgesamt 2.3 Millionen Schweizer Franken, die es dem Verein ermöglichten am 1. Dezember 2019 das Zentrum in Villigen in Betrieb zu nehmen. Für weitere Fördermittel in der Aufbauphase von 2021–2024 hat der Verein ein Gesuch beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) eingereicht.

«Für den Standort Aargau mit seinem ausgeprägten Industriesektor ist die Gründung des Zentrums ein wichtiger Meilenstein», bemerkt Vincenza Trivigno, Staatsschreiberin im Kanton Aargau und an den Vorbereitungen aktiv beteiligt. «ANAXAM wird die Entwicklung neuartiger, hoch innovativer und kompetitiver Produkte und Prozesse begünstigen und beschleunigen.» Die als Dienstleistung angebotene Materialanalytik geht bei ANAXAM über den Labormassstab hinaus. ANAXAM bietet bestens geschultes Personal, das effizient Grossforschungsanlagen und Infrastruktur zu nutzen weiss und die Kunden von Industrieunternehmen jederzeit kompetent beraten kann.

«ANAXAM steht nicht nur als Dienstleister bereit, sondern ist ein Garant für Innovation in der Analytik.»

Dr. Christian Grünzweig, Geschäftsführer von ANAXAM

In Zusammenarbeit mit ANAXAM wird in einem Nano-Argovia-Projekt eine neue Beschichtung für Titan-Implantate entwickelt.

Beteiligung des SNI
Das SNI ist durch Argovia-Professor Dr. Martino Poggio im Vorstand des Vereins vertreten. Bei der praktischen Ausführung von Aufträgen für ANAXAM wird vor allem das Nano Imaging Lab (NI Lab) gefragt sein. Das Team vom NI Lab kann vor allem detailgenaue Abbildungen und Analysen von Oberflächen liefern.

Zudem können im Nano-Argovia-Programm Projekte gefördert werden, die auf modernen Fertigungstechniken beruhen. Für das Jahr 2020 wurden bereits zwei Nano-Argovia-Projekte bewilligt, die in Zusammenarbeit mit ANAXAM laufen werden. In einem Projekt mit der Firma Acthera Therapeutics AG (Basel-Stadt) entwickeln Wissenschaftler der Hochschule für Life Sciences der FHNW eine stabile Formulierung für Liposomen, die mit Wirkstoffen beladen sind und auf Blutdruckänderungen reagieren. Dabei plant das Team den gesamten Herstellungs- und Lagerprozess in den Pilotmassstab zu übertragen, sodass Material für präklinische Studien hergestellt werden kann. (Projektbeschreibung)

In einem zweiten bewilligten Projekt in Zusammenarbeit mit ANAXAM, der Hochschule für Life Sciences (FHNW) und der Firma Orchid Orthopedics Switzerland GmbH (Baden-Dättwil) wird die Behandlung von Gelenkimplantaten untersucht. Die Forschenden studieren die Veredelung von Titanimplantaten durch eine im Plasma aufgesprühte Keramik-Schicht und optimierte Nachbehandlungsmethoden. Sie haben das Ziel, Gelenkimplantate zu entwickeln, die hohe Lasten tragen können, aber durch Bewegung und Belastung möglichst wenig abgerieben werden und keine immunologischen Reaktionen hervorrufen. (Projektbeschreibung)

Link zur ANAXAM-Webseite