Heidi und Patrick Potts: Mit Nano fing alles an

Heidi und Patrick Potts haben beide ihre Karrieren in Basel mit dem Nanowissenschafts-Studium begonnen. Nach Doktorarbeiten in Lausanne und Genf sowie gemeinsamer Postdoktorandenzeit in Schweden sind sie nun wieder zurück in Basel. Heidi ist in die Privatwirtschaft gewechselt und sehr zufrieden mit ihrem Job als Application Scientist bei Zurich Instrument. Und auch für Patrick hat sich ein Traum erfüllt, als Assistenzprofessor am Departement Physik eine eigene kleine Gruppe zu führen. Die beiden schätzen die breite Ausbildung im Nanostudium, die es ihnen ermöglicht hat, gemeinsam den jeweils eigenen Weg zu gehen.

Heidi und Patrick Potts haben ihre Karrieren mit dem Bachelorstudium in Nanowissenschaften begonnen, dann gemeinsam ihre ganz eigenen Wege gefunden.

Start in Basel
Für Professor Dr. Patrick Potts begann die berufliche Ausbildung 2007, für Dr. Heidi Potts 2008. Beide waren als Schüler bereits an Naturwissenschaften interessiert, ohne dabei eine Vorliebe für ein bestimmtes Fachgebiet zu entwickeln. Da erschien die breite Ausbildung im Bachelorstudium der Nanowissenschaften ideal, weil eine Spezialisierung erst später gefragt ist.

Für Heidi war auch nach dem Bachelorabschluss klar, dass die interdisziplinäre Ausbildung für sie auch in Zukunft das Richtige sei und so absolvierte sie auch ihren Master in Nanowissenschaften. Für ihre Masterarbeit, für die sie unterstützt von einem Argovia-Travel Grant in Toronto arbeitete, bekam sie 2014 den damals zum ersten Mal verliehenen Preis für die beste Masterarbeit in Nanowissenschaften. In dieser prämierten Arbeit hatte sie sich mit ultradünnen neuartigen Siliziumsolarzellen beschäftigt. Schon damals war sie fasziniert von angewandter nanotechnologischer Forschung, was sich in ihrer weiteren Karriere fortsetzte.

Patrick war sich nach dem Bachelor nicht so sicher, in welche Richtung er gehen wollte. Er absolvierte in Japan ein Praktikum in Biochemie. «Obwohl mich auch Themen in diesem Bereich interessierten, habe ich mich dann doch gegen das interdisziplinäre Nano-Masterstudium entschieden und bin zur Physik gewechselt, um mich in der Masterarbeit intensiv mit theoretischer Festkörperphysik auseinander zu setzen», berichtet er.

Er bereut diese ersten Jahre im Nanostudium jedoch keineswegs und ist nach wie vor davon überzeugt, im Nano-Bachelor sehr viel Wertvolles gelernt zu haben, das ihn bei der persönlichen Entwicklung unterstützt hat und ihm auch heute noch hilft. «Zum einen habe in diesen ersten Jahren gelernt, die Sprache von Physikern, Biologen und Chemikern zu sprechen. Zum anderen habe ich ihm Nanostudium zahlreiche Aspekte der Thermodynamik kennengelernt. Jetzt ist die Quanten-Thermodynamik mein Forschungsgebiet und seinen Anfang hat die Faszination dafür im Grundstudium genommen», bemerkt er.

Dissertation in der Romandie
Nach dem Master zog es die beiden in den Südwesten der Schweiz. Heidi absolvierte ihre Dissertation an der EPFL in der Gruppe von Professor Anna Fontcuberta i Morral. Sie untersuchte dort Wachstum, Kristallstruktur und Transportphänomene von Nanodrähten mit neuen physikalischen Eigenschaften und war mit dieser Arbeit dann auch im NCCR QSIT assoziiert.

Patrick begann seine Doktorarbeit über theoretische mesoskopische Physik an der Universität Genf zunächst in der Gruppe von Professor Markus Büttiger, der dann jedoch verstarb. Dank eines Doc.Mobility Grant des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) konnte Patrick einen Forschungsaufenthalt in Montreal absolvieren und seine Doktorarbeit in Genf unter Professor Christian Flindt abschliessen.

Als Postdocs nach Schweden
Nach Lausanne und Genf, stand für das junge Wissenschaftlerpaar Lund in Schweden auf dem Programm – allerdings nun nicht mehr nur zu zweit. Zwischen Heidis privater und öffentlicher Verteidigung wurden die Beiden Eltern einer kleinen Tochter.

«Vier Monate nach der Geburt haben wir am 1. Januar 2018 in Lund unsere Postdoktorandenstellen begonnen», erzählt Heidi. Obwohl Schweden für junge Familien ideale Bedingungen bietet, war es am Anfang nicht ganz einfach, Kind und Arbeit unter einen Hut zu bringen. «Mit viel Flexibilität auf Seiten unserer Chefs und von uns selbst, haben wir diese erste Zeit gut überstanden», erzählt Patrick. «Wenn erst alles geregelt ist, bietet Schweden die ideale Vereinbarkeit von Familie und Beruf», ergänzt er. Auch das Arbeitsumfeld, die Kollegen und ein wachsender Freundeskreis machten die 3.5 Jahre in Schweden für die Potts-Familie, zu der dann bald noch eine zweite Tochter gehörte, zu einer tollen Zeit mit schönen Erinnerungen.

Zurück in die Schweiz
Freunde, Familie und die Berge zogen sie dann aber wieder zurück in die Schweiz und zwar nach Basel, wo die beiden vor vielen Jahren ihr Studium begonnen hatten.

Für Heidi war der erneute Wechsel die ideale Gelegenheit in die Industrie zu wechseln und nun angewandte Fragestellungen im Bereich Test- und Messsysteme zu bearbeiten. Und auch für Patrick bot sich die einzigartige Chance als Assistenzprofessor eine eigene kleine Gruppe aufzubauen. Er hatte sich erfolgreich beim SNF für ein Eccellenza Professorial Fellowship beworben und dann Mitte April 2021 am Department Physik der Universität Basel seine Forschungsarbeit aufgenommen. Inzwischen leitet er ein Team mit zwei Doktoranden und zwei Postdoktoranden. Zusammen untersuchen die theoretischen Physiker thermodynamische Effekte von Quantensystemen.

«Die Arbeit an der Schnittstelle von Quantenphysik und Thermodynamik fasziniert mich», berichtet er. «Für mich geht ein Traum in Erfüllung, eine Gruppe zu leiten und zu untersuchen, wie wir beispielsweise die Wärmeentwicklung in kleinen Quantensystemen steuern, manipulieren oder nutzen können.» Er geniesst es dabei, richtig tief in ein Gebiet einzutauchen, ein «Hyperspezialist zu werden», wie er sagt und mit Kollegen aus dem Departement zusammenzuarbeiten.

Für Heidi war es dagegen nicht attraktiv weiter in der akademischen Forschung zu bleiben. Von je her hat sie sich für Anwendungen interessiert und daher die Chance genutzt, den Sprung in die Industrie zu wagen. «Schwierig war dabei vor allem herauszufinden, was es überhaupt für Berufsbilder gibt, die zu meinem Hintergrund und meinen Interessen passen», berichtet sie.

Recht früh in dieser Orientierungsphase stiess sie auf eine Anzeige von Zurich Instruments, in der die Stelle eines Application Scientist ausgeschrieben war. Zwar passte die damals angebotene Position nicht genau auf Heidis Profil, jedoch konnte sie durch ihre Bewerbung einen ersten Kontakt herstellen. «Mir wurde geraten, mich im November 2020 nochmal zu melden und dann hat es nach dem Interviewprozess auch recht schnell mit einer Anstellung als Application Scientists geklappt», berichtet sie.

Nun sind die Potts also wieder zurück in der Schweiz. Sie haben sich wieder gut eingelebt und sind froh Familie und Freunde in der Nähe zu haben. Auch die Betreuung der beiden Töchter ist gut organisiert. Im Vergleich zu Schweden ist dies jedoch deutlich schwieriger, da hier generell länger gearbeitet wird und sich Familie und Beruf nicht so leicht unter einen Hut bringen lässt. Beide reduzieren daher ihr Arbeitspensum ein bisschen, um sowohl ihrem Arbeitsgeber wie auch der Familie gerecht zu werden.

Immer wieder Nano
Für die beiden jungen Wissenschaftler hat in Basel mit dem Nanostudium ihr gemeinsamer Weg begonnen. Beide betonen, dass ihnen das Studium weit mehr als umfangreiches Fachwissen gebracht hat. Sie haben gelernt die Sprachen verschiedener Disziplinen zu sprechen und Einblicke in ganz unterschiedliche Forschungsbereiche gewonnen. Beide haben den aussergewöhnlichen Zusammenhalt unter den Studierenden schätzen gelernt und Freunde fürs Leben gefunden, mit denen sie jetzt wieder mehr Zeit verbringen können.

Für Heidi Potts ist es keine Frage, dass sie jederzeit wieder Nanowissenschaften studieren würde. Denn gerade in ihrer jetzigen Tätigkeit hat sie mit Kundinnen und Kunden aus ganz unterschiedlichen Bereichen Kontakt und kann ihre breite Ausbildung einsetzen. Aber auch Patrick Potts, der sich ja nach dem Bachelor ganz der Physik verschrieben hat, würde wieder Nanowissenschaften studieren, wie er sagt. «Nicht unbedingt wegen der Karriere», kommentiert er, «sondern weil es einfach sehr interessant ist, überall reinzuschauen und so viele verschiedene Bereiche kennenzulernen.»

 

Weitere Informationen:

Zurich Instruments

Arbeitsgruppe von Patrick Potts

Bericht über die preisgekrönte Masterarbeit von Heidi Potts

Absolventen-Video, in dem unter anderem Heidi über das Studium erzählt