SNI Innovation Workshop – From Lab to Startup

Das Team um Thomas Mortelmans und Antonia Ruffo hat nicht nur den ersten Preis beim Innovation Workshop gewonnen, die beiden jungen Nanowissenschaftler berichten in einem kurzen Interview auch, welchen Ansatz sie gewählt haben und was sie während des Workshops gelernt haben. (Bild: SNI, Universität Basel)

Doktorarbeiten am SNI drehen sich zum grossen Teil um grundlagenwissenschaftliche Fragestellungen. Doch mögliche Anwendungen liegen oft gar nicht so weit entfernt. Für Doktorierende sind daher Themen wie Innovation und die Gründung eines Startups durchaus interessant. Dr. Andreas Baumgartner, Koordinator der SNI-Doktorandenschule, hat daher in enger Zusammenarbeit mit dem Innovation Office der Universität Basel den «Innovation Workshop: From Lab to Startup» für die SNI-Doktorandenschule ins Leben gerufen. Anfang Juni hatten die Doktorandinnen und Doktoranden des SNI zum ersten Mal die Gelegenheit, ihre Ideen für ein eigenes Startup mit der Unterstützung des Innovation Office zu entwickeln und begutachten zu lassen. Drei der Ideen wurden anschliessend mit einem Preis ausgezeichnet.

Die Aufgabe, die Dr. Andreas Baumgartner, Koordinator der SNI-Doktorandenschule, formuliert hatte, war kurz und knapp formuliert, aber gar nicht so einfach zu lösen. Die etwa 30 Doktorandinnen und Doktoranden des SNI sollten die Idee für ein Startup entwickeln, das zum Beispiel auf den Ergebnissen der eigenen Doktorarbeit basiert. Im Rahmen eines zweitägigen Workshops, der von Leonie Kellner, Alessandro Mazzetti und Maarten Van Winckel vom Innovation Office der Universität Basel organisiert und begleitet wurde, sollten diese Geschäftsideen dann weiterentwickelt, ausgearbeitet und vorgestellt werden.

Professionelle Jury
Das Team vom Innovation Office und Andreas Baumgartner bildeten dann die Jury, die in einer ersten Runde die sechs vielversprechendsten Ansätze auswählte. Daraufhin verteilten sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die sechs Projekte.

Die Doktorierenden bekamen von den Experten des Innovation Office individuelle Tipps und Anleitungen, welche Information zu einer kurzen professionellen Vorstellung der Geschäftsidee vor Investoren gehört. Die Gruppen verteilten Aufgaben untereinander, diskutierten, recherchierten und polierten ihren «Pitch», der am zweiten Tag des Workshops stattfand.

Gut vorbereitet gestartet
Gewonnen hat diesen freundschaftlichen Wettbewerb das Team um Thomas Mortelmans, mit Antonia Ruffo, Tamara Aderneuer und Shichao Jia. Die Idee für das vorerst noch imaginäre Startup mit dem Namen «MagnoCell» hatten Antonia, Tamara und Thomas bereits einige Wochen vor dem Workshop in Teilen ausgearbeitet.

Nachdem Andreas Baumgartner in der offiziellen Einladung an die Doktorierenden auch die Möglichkeit zur Bildung eines Teams beschrieben hatte, taten sich die drei zusammen. Sie trafen sich vor dem Workshop mehrere Male, um sich systematisch vorzubereiten. «Zuallererst hat jeder von uns seine Fähigkeiten auf einem Slide zusammengefasst», berichtet Thomas Mortelmans, den sein Team später als CEO der Firma wählte. «Im nächsten Schritt haben wir diskutiert, welches unserer Doktorarbeitsprojekte sich am besten für ein mögliches Startup eignet, das wir bei dem Workshop vorstellen möchten.»

Nicht-invasive Temperaturmessung
Die Wahl fiel dabei auf die Arbeit von Antonia Ruffo, die am Paul Scherrer Institut eine nicht-invasive Methode zur Temperaturmessung im Inneren von Brennstoffzellen entwickelt.

Um die erste Präsentation vorzubereiten, hatte sich das Team je nach individuellen Stärken die Arbeit etwas aufgeteilt. Tamara beschäftigte sich mit dem Design, Antonia lieferte die wissenschaftlichen Aspekte hinter der Idee und Thomas kümmerte sich um den Einstieg ins Thema und mögliche Anwendung. Er war dann auch derjenige, der das Projekt erfolgreich präsentierte.

Er stellte anschaulich dar, dass das Unternehmen eine praktikable Lösung anbietet, um im Inneren von Brennstoffzellen die Temperatur messen zu können – ohne dabei ins Innere der Brennstoffzelle eindringen zu müssen. Dies ist mit existierenden Methoden bisher nicht möglich. Für die weitere Entwicklung von Brennstoffzellen ist eine nicht-invasive Temperaturmessung jedoch wichtig, da kontrolliert werden muss, dass sich die Arbeitstemperatur im optimalen Temperaturbereich befindet.

Die neue Methode, die einen beachtlichen Markt erschliessen könnte, basiert auf ferromagnetischen Eisenpartikeln, die in der Brennstoffzelle eingeschlossen werden. Die Partikel besitzen je nach Temperatur unterschiedliche magnetische Eigenschaften, wenn sie einem Neutronenstrahl ausgesetzt werden. In dem optimalen Temperaturbereich von 80 – 100°C verursachen die zufällig angeordneten Magnetfelder eine Depolarisation des Neutronenstrahls. Über diesem Temperaturbereich verlieren die Nanopartikel ihre superparamagnetischen Eigenschaften und haben keinen Einfluss mehr auf die Polarisation des Neutronenstrahls.

Für Forschungslabore, die an der Weiterentwicklung der Brennstoffzelle arbeiten, wäre diese Methode bestens geeignet. Da die Brennstoffzellenforschung weltweit boomt, wächst auch der Markt für Dia-gnostikmethoden, die auf diesem Gebiet eingesetzt werden können.

Das Team hatte sich zwar bereits vor Beginn des Workshops vorbereitet, konnte aber trotzdem enorm von den Tipps und Hilfestellungen von Leonie Kellner und Alessandro Mazetti profitieren. Für Thomas Mortelmans, der die Geschäftsidee bei dem Workshop vorstellte, waren die beiden Tage eine tolle Gelegenheit, «mal outside the box zu denken», wie er sagt. «Wir sind sonst in unsere wissenschaftlichen Fragestellungen vertieft und denken meist gar nicht, wie sich unsere Ergebnisse am wirksamsten in ein Produkt umwandeln lassen», kommentiert er.

Das Gewinner-Team stellt anschaulich dar, wie sich die Temperatur von Brennstoffzellen messen lässt – ohne dabei ins Innere der Brennstoffzelle eindringen zu müssen. (Bilder: zvg Thomas Mortelmans)

Elektronik für den Quantencomputer
Auch Jann Ungerer hatte sich vor dem Workshop Gedanken gemacht und eine Präsentation vorbereitet. Seine Geschäftsidee war, Elektronik zu entwickeln, die für Quantencomputer benötigt wird.

«Zurzeit werden grosse Fortschritte beim Bau von Quantencomputern gemacht», berichtet er. «Im Moment können Forschende nur eine überschaubare Anzahl von Qbits verknüpfen. In der Zukunft wird diese Zahl der verknüpften Qbits jedoch stark wachsen und auch die Elektronik muss dieser Entwicklung folgen», berichtet er weiter.

Mit seiner ersten Präsentation konnte er die Jury und einige seine Kollegen aus dem Departement Physik überzeugen. David Jäger, Moritz Weegen, Gian-Luca Schmid und Lukas Sponfeldner stiessen daher nach dem ersten Tag des Workshops zu seinem Team. Maarten Van Winckel vom Innovation Office betreute die fünf jungen Wissenschaftler anschliessend und ermöglichte ihnen durch seine Tipps eine professionelle Präsentation für den zweiten Tag vorzubereiten, mit der sie den zweiten Platz belegten.

Jann konnte als CEO dabei überzeugend darstellen, dass die imaginäre Firma «Q-CIRC» in der Lage sein wird, den exponentiell wachsenden Quantencomputing-Markt mit skalierbarer Elektronik zu versorgen, sodass die enorme Leistung der Quantencomputer der Zukunft effektiv genutzt werden kann.

«Mir hat der Workshop total viel Spass gemacht», bemerkt Jann. Der junge Nanophysiker war bereits in der Studentenfirma «Telejob» (ETH Zürich) engagiert und kann sich durchaus vorstellen auch in Zukunft in der Startup-Szene tätig zu werden.

Nanopartikel als Transportsysteme
Im Gegensatz zu zahlreichen ihrer Kolleginnen und Kollegen hatte Shabnam Tarvirdipour wenig Gelegenheit, sich vorab mit dem Workshop auseinander zu setzen. Sie lag in den letzten Zügen ihrer Doktorarbeit und hatte Anfang Juli ihre Verteidigung. Da fehlte schlichtweg die Zeit an einer Präsentation für den Innovation-Workshop zu arbeiten.

Ihr Ansatz, intelligente Nanopartikel für die Gentherapie zu entwickeln machte am ersten Tag so grosse Fortschritte, dass die Jury das Projekt in der ersten Runde auswählte. So bekam Shabnam die Gelegenheit die Geschäftsidee weiterzuentwickeln – was sie im Team mit Claudio Alter, Mehdi Heydari und Piotr Jasko dann auch erfolgreich tat.

«Die Anleitungen und Hilfestellungen durch die Tutoren waren super. Sie haben uns in kürzester Zeit die wichtigsten Aspekte einer Firmengründung vermittelt», berichtet Shabnam, die als CEO der imaginären Firma «Genotech» auftrat. So war das Team in der Lage innerhalb kürzester Zeit eine Präsentation vorzubereiten, die ihnen den dritten Platz bescherte.

Die vier jungen Forschenden stellten ihren Ansatz vor, Krebserkrankungen mithilfe von Gentherapie zu behandeln. Mithilfe von Liposomen oder Peptiden wollen sie Gene in Zellen einschleusen. Diese Gene werden die notwendige Information enthalten, damit in den Zellen eine Immunantwort stimuliert werden kann. Im Gegensatz zu einigen bereits existierenden Transportsystemen, bei denen Viren verwendet werden, setzt das Team auf liposomale und peptid-basierte Nanopartikel. Diese lösen sich im Milieu der Zelle auf und setzen damit ihre Fracht frei. Die Methode könnte sich für verschiedene Krankheiten einsetzen lassen, die auf Gendefekten beruhen. Das Team entschied sich jedoch den Fokus zunächst auf den stetig wachsenden Markt der Krebserkrankungen zu legen.

Intensiv und lehrreich
Für die Doktorierenden, die am Workshop teilnahmen, waren es zwei intensive Tage, von denen sie eine Menge Neues mit nachhause nehmen konnten. Auch der Organisator Andreas Baumgartner hat einiges gelernt. Er war sehr angetan von den Präsentationen, mit denen die Teams ihre Startups am Ende vorstellen: «Zeitweise konnte ich nicht mehr ausmachen, welche Projekte erfunden und welche kurz vor dem Börsengang waren. Für uns alle war der Workshop eine Bereicherung. Wir planen, so etwas für die SNI-Doktorandenschule nun regelmässig zu veranstalten.»

Und auch für die Experten vom Innovation Office der Universität Basel lieferte der Workshop spannende Einblicke. «Die Teilnehmenden zeigten vom ersten Tag an grossen Unternehmergeist und waren eifrig dabei, ihre wissenschaftlichen Entdeckungen in tragfähige Geschäftsideen umzusetzen», bemerkt Leonie Kellner, Entrepreneurship Program Manager im Innovation Office. «Sie arbeiteten in Teams zusammen, um ihre Pitches zu verbessern und sie investorenreif zu machen. Die Siegerteams zeigten die grössten Verbesserungen und waren in der Lage, ihre Idee überzeugend und prägnant zu kommunizieren. Es war ein Vergnügen, mit den Doktorierenden während des zweitägigen Workshops zu arbeiten!», ergänzt sie.

Ihr Kollege Alessandro Mazzetti, Manager Innovation Alliances, äusserte sich ebenfalls sehr positiv: «Die zwei Dinge, die mich am meisten beeindruckt haben, war die allgemeine Qualität der Ideen, die nicht nur auf solider Wissenschaft basieren, sondern auch Auswirkungen auf grundlegende gesellschaftliche oder technologische Herausforderungen unserer Zeit haben könnten. Zudem haben die Doktorierenden die Fähigkeit bewiesen, das Gelernte schnell in die Praxis umzusetzen. Jeder der Teilnehmenden kann stolz darauf sein, die Pitches in nur zwei Tagen von Null auf Startup-Qualität gebracht zu haben. Wir vom Innovation Office der Universität Basel werden stolz darauf sein, derartige Ideen zu unterstützen, die sich in reale und wirkungsvolle unternehmerische Unternehmungen verwandeln könnten!»

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Innovation an der Universität Basel

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