Therapie gegen Geschwüre in der Mundschleimhaut

Transmission-Elektronen-Mikroskopische Aufnahme des Peptid-Hydrogels, das zur Behandlung unspezifischer Geschwüre im Mund eingesetzt werden könnte. (Bild: L. Kind, FHNW)

Im Nano-Argovia-Projekt Hydrogel-Patch entwickelt ein interdisziplinäres Team unter Leitung von Dr. Lucy Kind (Hochschule für Life Sciences, FHNW) zusammen mit der Firma credentis AG (Windisch) ein Pflaster, das bei unspezifischen Geschwüren in der Mundschleimhaut eingesetzt werden soll. Das Pflaster besteht aus einem sich selbst aufbauenden synthetischen Peptid-Hydrogel, das die betroffenen Stellen zunächst abdeckt und potenziell auch dafür geeignet ist, heilende Wirkstoffe abzugeben.

Umfassende Therapie gesucht
Wunden in der Mundschleimhaut können verschiedene Ursachen haben. Sie entstehen beispielsweise durch Verletzungen, Infektionen, reduzierte Immunreaktionen oder als Folge von Tumoren.

Bei unspezifischen Geschwüren liegt oft eine Kombination von Ursachen zugrunde. In jedem Fall verursachen die Wunden Schmerzen beim Essen oder Sprechen und beeinträchtigen damit die Patientinnen und Patienten. Eine ideale Therapie, die direkt im Mund angewendet werden kann, Schmerzen lindert, den Heilungsprozess unterstützt und ohne tierische Bestandteile auskommt, wäre wünschenswert.

Das Forscher-Team plant nun ein synthetisches Peptid-Hydrogel zu testen, das diese Anforderungen erfüllt. Das verwendete Hydrogel besteht aus synthetischen, sich selbst aufbauenden Peptiden, die an weichem, feuchtem Gewebe haften. Verschiedene Substanzen können das faserige Netzwerk vernetzen und für eine erhöhte Stabilität sorgen.

Die Technologie wird bereits für andere zahnmedizinische Anwendungen wie die gesteuerte Schmelzregeneration eingesetzt und zeigt eine hervorragende Kompatibilität mit dem Gewebe.

 

«Seit über einem Jahrzehnt arbeiten wir erfolgreich mit der FHNW zusammen.
In jedem Produkt der credentis steckt ein Stück Nordwestschweiz drin. In der SNI-Kooperation mit der Universität Basel und der FHNW, möchten wir einen Schritt weitergehen und neue Indikationen im Oral Care Bereich ausloten. Wir versprechen uns davon innovative und intelligente Regenerationssysteme im Bereich des Weichgewebemanagements.»

Michael Hug, CTO bei credentis AG

 

Auf Erfahrung aufbauen
Im Nano-Argovia-Projekt PERIONANO untersuchten Forschende aus dem SNI-Netzwerk bereits den Einsatz des Hydrogels, um Entzündungen an Zahnimplantaten zu behandeln.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler testen nun in dem neuen Nano-Argovia-Projekt Hydrogel-Patch verschiedene Methoden und Substanzen, die das Hydrogel vernetzen und damit stabilisieren. Sie betrachten, wie das Hydrogel an dem feuchten Mundgewebe haftet und wie das Auswaschen verhindert werden kann. Die Biokompatibilität sowie die Integration von Nanokapseln, die Wirkstoffe freisetzen, sind ebenfalls Untersuchungsthemen für das Projektteam.

Neben Projektleiterin Dr. Lucy Kind sind die Teams ihrer FHNW-Kollegen Prof. Dr. Oliver Germershaus und Prof. Dr. Falko Schlottig sowie Prof. Dr. Michael Bornstein vom Universitären Zentrum für Zahnmedizin der Universität Basel und Michael Hug von credentis AG beteiligt.

Weitere Information

credentis AG
Hochschule für LIfe Sciences (FHNW)
Universitäres Zentrum für Zahnmedizin der Universität Basel