Anders als sonst – Beginn des Studiums Nanowissenschaften unter Corona

Der Beginn des Studiums ist eine aufregende Zeit. Die Schule ist abgeschlossen und ein wichtiger Lebensabschnitt mit neuen Erfahrungen, neuen Freunden und oft auch in einer fremden Stadt beginnt. Im Jahr 2020 sah der Studienbeginn jedoch deutlich anders aus als in den Vorjahren. Während zu Beginn des Herbstsemesters noch einige Präsenzveranstaltungen möglich waren, haben die Studierenden seit Anfang November nur noch online-Unterricht. Das macht es schwer, neue Freunde zu finden und sich in der noch unbekannten Uniwelt zurecht zu finden. Wir haben vier neue Studierende des Nanostudiengangs gefragt, wie sie sich in diesen ungewöhnlichen Zeiten zurechtfinden und wie ihr erster Eindruck vom Nano-
Studiengang an der Universität Basel ist.

Tania Beringer kam aus den USA um in Basel Nanowissenschaften zu studieren.

Aus den USA gekommen
Tania Beringer hat einen weiten Weg zurückgelegt, um in Basel Nanowissenschaften zu studieren. Sie kommt aus der Gegend von San Francisco (Kalifornien, USA). Ihre Eltern stammen allerdings aus der Schweiz und so entschloss sich Tania in Basel zu studieren, um auch das Land besser kennen zu lernen.

Die Wahl fiel auf Nanowissenschaften, weil sie sich bereits auf der High School für Naturwissenschaften und dabei vor allem für die molekulare Ebene interessiert hatte. «Ich wollte mich nicht auf eine Naturwissenschaft festlegen und Nano verbindet», sagt sie im Interview.

Ihre Erwartungen wurden bisher nicht enttäuscht. Sie findet alles sehr spannend und hat auch keine Mühe den vielen verschiedenen Themen zu folgen. Anfänglich hatte sie noch jeden Tag eine Präsenzveranstaltung. Durch die verschärften Corona-Schutzmassnahmen findet seit Anfang November jedoch nur noch online-Unterricht statt. Vor allem in den Übungen findet Tania das nicht so leicht, da es eben doch schwieriger ist, bei Unklarheiten nachzufragen. «Die Tutoren sind aber super und reagieren immer sofort, wenn man eine Frage hat», berichtet sie.

Und obwohl es bisher nicht sehr viele Gelegenheiten für Treffen gab, kennt sie inzwischen auch alle, die mit ihr zusammen begonnen haben Nanowissenschaften zu studieren, und auch einige Studierende aus höheren Semestern. Sie hat bereits zwei andere Nanostudentinnen getroffen, die wie sie gerne fotografieren – eine der wenigen Aktivitäten, die auch in Corona-Zeiten fast ohne Einschränkungen möglich ist.

Tania ist in Basel in ein Studentenwohnheim gezogen und hat dort trotz der augenblicklichen Einschränkungen ebenfalls gute Kontakte knüpfen können. «Wenn ich das Bedürfnis habe, ist jederzeit jemand da, mit dem ich etwas machen kann», sagt sie.

Alles in allem, ist Tania sehr zufrieden mit ihrem Start hier in Basel. Sie wurde im November zur Vize-Präsidentin des Nanovereins gewählt und freut sich auf das Engagement im Verein. Mit Spannung sieht sie auch der Zeit entgegen, in der es wieder möglich sein wird, persönlich mit anderen Vorlesungen zu hören, Übungen zu machen oder einfach Zeit zu verbringen.

Mina-Lou Schleith fühlt sich von den Tutoren gut betreut (Bild: M.-L. Schleith).

Von der anderen Seite der Grenze
Für Mina-Lou Schleith ist der Weg nach Basel deutlich kürzer gewesen. Sie kommt aus Weil am Rhein. Dort hat sie am Kant-Gymnasium 2019 ihr Abitur abgeschlossen. Schon vor einigen Jahren fand für sie der erste Kontakt mit den Nanowissenschaften bei einem Bachelor-Infotag an der Universität Basel statt.

In der Schule hatte sie in den letzten Jahren viel Spass und Interesse an Biologie und Chemie und vor allem auch immer sehr viele Fragen zu den unterschiedlichsten Themen. Sie absolvierte nach der Schule ein Praktikum, bei dem sie die Arbeit im Labor kennen lernte. Ein weiteres Praktikum am PSI fiel dann leider wegen der Corona-Massnahmen aus.
Mina-Lou nutzte die freie Zeit vor Studienbeginn, sich mit Physik zu beschäftigen und Stoff aufzuarbeiten, da sie in der Oberstufe keinen Physikunterricht mehr gehabt hatte. «Das war sicher gut», sagt sie. «Denn bisher komme ich gut mit und es macht mir Spass.»
Auch Mina-Lou hat seit Anfang November keine Präsenzveranstaltungen mehr. «Die Tage sind ganz schön monoton», bemerkt sie. «Zum Glück gibt es einige virtuelle Gruppen, in denen wir zusammen Übungen machen und uns auch mal privat austauschen.» Sie fühlt sich von den Tutoren ebenfalls sehr gut betreut. «Wir haben beispielsweise in Physik jeden Freitag eine Fragestunde, wo wir alles ansprechen können. Das ist wirklich toll.»

Die Highlights für sie waren die Veranstaltungen zu Beginn des Semesters als noch persönliche Treffen möglich waren wie die vom Nanoverein organisierte Wanderung und ein Picknick mit höheren Semestern. Auch Aktivitäten wie Hockey beim Unisport haben ihr gut gefallen, sind aber seit November nicht mehr möglich. Zum Glück hat sie in diesen ersten Wochen zwei gute Freundinnen unter den Studienanfängern gefunden, so dass auch jetzt noch ein paar persönliche Treffen stattfinden können.

Mina-Lou hat sich mit den augenblicklichen Bedingungen gut arrangiert. Sie bereut ihre Studienwahl kein bisschen. Als Jahrgangvertreterin engagiert auch sie sich im Nanoverein.

Andreas Ruh hat bereits einen Bachelor in Nanowissenschaften und auch schon Berufserfahrung gesammelt.

Zum Master nach Basel
Andreas Ruh hat sein Bachelorstudium in Nanowissenschaften bereits hinter sich und auch schon Berufserfahrung gesammelt. Er hat in Tübingen studiert und nach dem Bachelor in Nanowissenschaften zwei Jahre lang bei der Firma OSA Opto Light in Berlin gearbeitet. Weil er aber wissbegierig ist und sich weiterentwickeln wollte, hat er sich entschieden, nun doch auch einen Master in Nanowissenschaften zu machen. «Die Universität Basel habe ich gewählt, da die Uni ein sehr gutes Renommee hat, führend in der Forschung ist und es auch viele gute Kontakte zur Industrie in der Region gibt», berichtet Andreas.

Um in Basel zu studieren ist Andreas nach Lörrach gezogen und wohnt dort in einer Wohngemeinschaft. Er fühlt sich dort ganz wohl und ist angekommen, wie er erzählt. Die Vorlesungen, die er bisher belegt hat, sind interessant und machen Spass. Anfänglich hatte er noch eine Präsenzvorlesung, aber jetzt erlebt er alles im Home Office.

Auch er hat sich den Start etwas anders vorgestellt und findet es hier und da schwierig. Zwar ist er von der Studienkoordination gut beraten und betreut worden und hat bei einer Veranstaltung des Nanovereins auch einige Studierende kennen gelernt, aber es fehlen ihm die persönlichen Kontakte mit Leuten, die in einer ähnlichen Situation sind wie er. Das ist allerdings schwierig, da recht wenig neue Studierende zum Masterstudium in Nanowissenschaften nach Basel kommen. Da das Bachelor-Studium in Basel sehr vielfältig ist und die Studierenden ein straffes Programm absolvieren, ist ein Wechsel meist mit Auflagen verbunden.

Dimitrios Tripkis hatte in seinem ersten Blockkurs viel gelernt und fand es toll, selbst am AFM arbeiten zu dürfen.

Noch einiges nachzuholen
Auch Andreas muss noch einige Lehrveranstaltungen und zwei Blockkurse nachholen, bis er dann mit den Vorlesungen für das Masterstudium loslegen kann. Ähnlich geht es seinem Kollegen Dimitrios Tripkis, der im Herbstsemester auch frisch zum Masterstudium nach Basel gekommen ist.

Dimitrios ist in der Schweiz geboren, aber in Griechenland aufgewachsen. Er hat dort bereits ein Bachelorstudium in Materialwissenschaften abgeschlossen und kam jetzt nach Basel um hier seinen Master in Nanowissenschaften zu machen. Ihn hat das Programm des Nanostudiengangs sehr angesprochen und zudem möchte auch er die Schweiz besser kennen lernen.

Dimitrios hat in diesem Semester bereits einen Blockkurs über AFM-Mikroskopie absolviert. Er war ganz begeistert an so einem Hightech-Gerät selbst arbeiten zu dürfen. «In Griechenland haben die Professoren uns nur gezeigt, wie die Geräte funktionieren, wir selbst haben zugeschaut», erzählt er.

Er sieht durchaus auch Vorteile darin, dass die Vorlesungen alle nur noch online stattfinden. «Es gibt mehr Freiheit und man kann Kurse jederzeit nachholen und noch einmal anschauen», berichtet er. Aber auch ihm wäre es lieber und er wäre motivierter, wenn er mit den anderen zusammen im Hörsaal zu sitzen könnte.

Doch obwohl die Bedingungen zurzeit hier und da nicht immer einfach sind und der Kontakt mit Kollegen fehlt, war es sowohl für Andreas wie auch für Dimitrios genau die richtige Entscheidung nach Basel zu kommen, die beide kein bisschen bereuen. Sie fühlen sich wohl und freuen sich, bald mit dem Masterstudium richtig loslegen zu können, wenn sie die noch fehlenden Kreditpunkte gesammelt haben.

Wir hoffen nun, dass alle Studierenden diese nicht ganz einfache Zeit gut und gesund überstehen und wir dann bald alle wieder persönlich zu ihren Lehrveranstaltungen begrüssen können.