Studium in Zeiten von Corona – Ein paar Beispiele von Studierenden des Nanostudiums und der SNI-Doktorandenschule

Jeder von uns hat die letzten Wochen und Monate anders erlebt. Während die einen im Homeoffice effektiver und produktiver waren, haben sich andere grosse Sorgen gemacht, waren vielleicht sogar selbst krank oder hatten grosse Mühe zuhause Ruhe zu finden. Wir haben ein paar Studierende aus dem Nanostudiengang und der SNI-Doktorandenschule gefragt, wie sie diese letzten Wochen erlebt haben, was ihre Probleme waren und was sie aus dieser Zeit mitgenommen haben.

Die Nano-Studierenden Elaine Schneider, Julian Köchlin, Nicolas Brunner, Patrick Weber, Sarah Müller und Timon Baltisberger haben Feedback gegeben. Bei den Doktoranden teilten Alexina Ollier, Mehdi Heydari, Paolo Oliva, Stefano Di Leone und Thomas Mortelmans ihre Erfahrungen der letzten Wochen.

Patrick Weber (rechts) konnte sein Praktikum bei dem von Joël de Beer (links) gegründeten Startup Anjarium Biosciences fast ohne Einschränkungen absolvieren (Bild: P. Weber)

Praktikum ohne wesentliche Hindernisse
Patrick, der im Februar ein 6-monatiges Praktikum bei Anjarium Biosciences begonnen hatte, konnte dieses ohne grosse Einschränkungen absolvieren. Er hat die Zeit in dem biomedizinischen Start-up, das von Joël de Beer – einem Nano-Alumnus – gegründet wurde, sehr genossen und kann sich gut vorstellen, nach seinem PhD in einem ähnlichen Arbeitsumfeld tätig zu sein.

Für ihn bleiben diese Monate trotz des fehlenden Treffens und Austauschs mit Freunden und der Familie daher voll guter Erinnerungen. Die zusätzliche Zeit, die er sonst mit Freunden und bei kulturellen Veranstaltungen verbringt, hat er unter anderem zur Selbstreflexion genutzt. «Sich ausgiebig Zeit zu nehmen um die Seele baumeln zu lassen und sich über seinen Platz in der Gesellschaft und Welt allgemein Gedanken zu machen, ist etwas, wozu wir heute in der hektischen Welt nur noch selten kommen», bemerkt er.

Projektarbeit in Luxemburg
Mehr Zeit für sich zu haben und viele entspannte Mitmenschen, das empfand auch Sarah Müller als positiven Aspekt der vergangenen Monate. Sie hatte Mitte Februar ihre Projektarbeit über marines Phytoplankton an der Universität Luxemburg begonnen. Am Anfang der Corona-Krise gab es für sie viel Unsicherheit, da nicht klar war, ob sie ihre Arbeit über Lipide als Biomarker für physiologischen Stress planmässig zu Ende bringen konnte. Sie war jedoch in der Lage bis zum Lockdown in Luxemburg Mitte März ihre Experimente im Labor durchzuführen. Danach ging es für sie im Homeoffice weiter – zuerst in Luxemburg, dann in Basel.

Sarah Müller hat ihre Projektarbeit im Homeoffice beenden können (Bild: S. Müller).

Auch Sarah hat es vermisst ihren Freund, andere Freunde, Eltern und Geschwister zu treffen oder einfach mal in einem Café zu sitzen. Sie hofft aber ein bisschen mehr Gelassenheit aus den vergangenen Wochen mitnehmen zu können.

Online-Veranstaltungen durchaus von Vorteil
Für die jüngeren Semester im Bachelorstudium standen in den letzten Wochen zahlreiche online-Vorlesungen auf dem Programm. Elaine, Timon und Nicolas fanden das eigentlich gar nicht schlecht, da sie sich ihre Zeit selbst einteilen konnten. «Zudem bieten Video- und Audioaufnahmen den Vorteil, dass ich bei Unklarheiten zurückspulen und die Vorlesung in meinem eigenen Tempo durchgehen kann», ergänzt Nicolas. «Durch den geringeren Kontakt mit Kollegen und Studierenden aus höheren Semestern war es allerdings schwierig, den eigenen Lernstand einzuschätzen», findet Elaine. Ganz generell fehlten den Studierenden vor allem Kontakte und das gemeinsame Lernen und Üben mit anderen Studierenden und Tutoren.

Umstellung der Gewohnheiten
Sich daran zu gewöhnen, zuhause zu lernen und den vielen möglichen Ablenkungen keine Beachtung zu schenken und dann trotzdem irgendwann aufzuhören und die Freizeit zu geniessen, war auch nicht immer leicht. «Die totale Flexibilität bei der Zeiteinteilung ist auf der einen Seite super, auf der anderen Seite macht es das auch schwierig, Arbeitszeit und Freizeit zu trennen», findet Julian.

Gefehlt hat auch der Ausgleich beim Sport, wie Elaine bemerkt, die sonst in einer Mannschaft Volleyball spielt. Für andere war es dagegen eine Zeit, in der sie einen neuen Ausgleich ausprobieren konnten. Sarah hat beispielsweise mit Yoga begonnen und Nicolas hat abends «viele neue Gerichte gekocht und vollständig auf die leckeren Take away-Angebote rund um das Physik Departement verzichtet».

Belastend und stärkend
Die Unsicherheit in den letzten Wochen mussten die Studierende ebenfalls aushalten. Anfänglich war nicht ganz klar, ob Prüfungen geschrieben werden, welche Blockkurse noch stattfinden können und ob beispielsweise die kleine Konferenz über die Blockkurse Smalltalk stattfinden kann. Für Smalltalk konnte eine gute Lösung gefunden werden, für den einen oder anderen Blockkurs auch, aber andere Projekte und Arbeiten mussten leider ganz ausfallen oder verschoben werden.

Unter dem Strich haben diese Erfahrungen aber vielleicht auch geholfen, mehr Selbstdisziplin, Selbstbewusstsein und gleichzeitig Gelassenheit zu erlangen, bemerken einige der Studierenden. «Auf jeden Fall hat es uns gezeigt, dass es technische Lösungen für viele Probleme gibt», sagt Timon und meint dabei nicht nur die Uni-Podcasts, sondern auch die zahlreichen Konferenzanrufe zur Pflege der sozialen Kontakte.

Auch die Doktoranden der SNI-Doktorandenschule waren in den letzten Wochen und Monaten mit einer neuen Situation konfrontiert, die alle, die wir gefragt haben, gut gemeistert haben.

Viele Wochen alleine
Alexina, die in Frankreich wohnt, war für etwa sechs Wochen fast ununterbrochen allein zuhause, da in Frankreich die Ausgangsregelungen deutlich strikter waren als in der Schweiz oder Deutschland. «Jeder Tag war gleich und ich habe eigentlich immer gearbeitet, da ich alleine wohne und nicht viele andere Dinge zu tun hatte», erzählt sie.

Sie nutzte die Zeit ihre Daten zu verarbeiten. Nach vier Wochen startete sie die ersten Experimente – zunächst bediente sie ihr Mikroskop von zuhause, später dann auch wieder vor Ort. Wahrscheinlich hat sie gar nicht viel Zeit verloren, da glücklicherweise die dann begonnenen Experimente gut liefen. Allerdings fehlte auch ihr der unkomplizierte Austausch mit den Kollegen und ihrem Betreuer. «Es ist so viel einfacher, schnell mal im Büro vorbeizuschauen und eine Frage zu stellen», sagt Alexina. «Auf der anderen Seite hat es mir auch geholfen, autonomer zu werden.»

Stefano ist glücklich nach vielen Wochen im Homeoffice wieder zurück ins Labor zu dürfen (Bild: S. Di Leone, Departement Chemie, Universität Basel)

Stefano ist es ähnlich ergangen. Obwohl er in Deutschland nicht so strengen Ausgangsregelungen unterworfen war und mehr Zeit zum Ausspannen hatte, fühlte er sich «wie ein Gefangener». Er analysierte ebenfalls zunächst seine Daten und schrieb dann ein Paper. Webinare und online-Vorträge trugen für ihn auch dazu bei, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Auf jeden Fall war er sehr froh, nach acht Wochen Pause zurück ins Labor zu dürfen. «Ich habe in dieser Zeit gelernt, wie wichtig das soziale Leben für mich ist. Manchmal unterschätzen wir das. Auf der anderen Seite war es wirklich beeindruckend, wie online-Kurse und Meetings organisiert wurden.»

Trennung von Arbeit und Freizeit schwieriger
Ein anderer Punkt, der von einigen PhD-Studenten genannt wird, ist die Schwierigkeit im Homeoffice Pausen zu machen und trotz der fehlenden räumlichen Trennung von Arbeit und Freizeit eine neue Routine zu entwickeln. Paolo hatte beispielsweise mit diesem Aspekt zu kämpfen. Er hatte bereits alle Experimente abgeschlossen, schrieb seine Doktor-arbeit und bereitete sich auf die virtuelle Verteidigung vor. Das lief alles prima und wie er uns gesagt hat, hat er dadurch gelernt, seinen Tagesablauf besser zu planen, sich mehr Zeit für sich zu nehmen und nicht immer die Arbeit in den Vordergrund zu stellen.

Arbeit im Homeoffice ist wertvoll
Thomas nutzte die ersten Wochen der Corona-Schliessungen, um theoretische Arbeiten wie Simulationen durchzuführen und das Design seines Mikrofluidik-Systems zu optimieren. Er durfte dann Mitte April teilweise wieder zurück ins Labor, da er zurzeit an einer Plattform zum Immunitätsnachweis gegenüber Covid-19 arbeitet und derartige Projekte Vorrang hatten.

Da er in zwei verschiedenen Kantonen an der Universität Basel und am Paul Scherrer Institut (PSI) tätig ist, musste er sich mit den verschiedenen Betriebskonzepten befassen und genau planen, wann er wo arbeiten wollte. Die Arbeit im Homeoffice wertet er als wertvoll und würde diese auch gerne beibehalten, wenn gerade keine Experimente anstehen. Aber unersetzlich ist für Thomas wie für alle anderen Befragten der regelmässige Austausch mit den Kollegen und Freunden.

Unbeschwertheit geht verloren
Auch Mehdi hat dieser Austausch gefehlt. Jedoch war er in den letzten Wochen produktiver als in anderen Zeiten. Er hat versucht, extra Messzeit an der heiss begehrten Synchrotron-Lichtquelle des PSI zu bekommen und seine Untersuchungen voranzutreiben. Obwohl es von wissenschaftlicher Seite fast ohne Einschränkung für ihn lief, hatte er doch Mühe, entspannt die freien Stunden zu geniessen. Er selbst verspürte keine Angst vor dem Virus, aber die allgemeine Sorge um Menschen um ihn herum und seine Ohnmacht nicht helfen zu können, bedrückte ihn. Die Unbeschwertheit und freie Gedanken, hat er während der Corona-Pandemie daher am meisten vermisst.

Das sind nur ein paar zufällig ausgewählte Beispiele, wie es einigen jungen Menschen aus dem SNI-Netzwerk in den letzten Wochen ergangen ist. Sie haben diese schwierige Zeit gut gemeistert und sehen durchaus auch positive Aspekte dieser Ausnahmesituation. Wir wünschen den Befragten und allen anderen weiterhin alles Gute, hoffen, dass alle gesund bleiben und diese herausfordernde Zeit gut überstehen.