Finanzierung gesichert und Produkt vorgestellt – Positives Jahresende bei Qnami

Das Gründerteam von Qnami Alexander Stark, Felipe Favaro, Mathieu Munsch, Patrick Maletinsky im Frühjahr 2019.

Qnami, ein junges Start-up aus dem SNI-Netzwerk, hatte in den letzten Wochen tolle Neuigkeiten: Zum einen hat die junge Firma gerade sein Quantenmikroskop zur Untersuchung magnetischer Materialien, «ProteusQ», vorgestellt. Zum anderen hat Qnami für die Markteinführung und Weiterentwicklung der Plattform Investitionsmittel von über 2.6 Millionen Schweizer Franken zugesprochen bekommen. Für das inzwischen auf zehn Mitarbeiter angewachsene Team sind es also ideale Startbedingungen, um Anfang des nächsten Jahres Beta-Testern das Gerät zur Verfügung zu stellen und die ersten Bestellungen zu bearbeiten.

Marktreifes Produkt
Qnami wurde im November 2017 durch Professor Dr. Patrick Maletinsky, Dr. Mathieu Munsch, Dr. Felipe Favaro und Dr. Alexander Stark gegründet. Das Ziel der Firma ist es eine quantenmechanische Lösung für Hochpräzisionsmessungen anzubieten.

Nach zwei Jahren Entwicklungszeit präsentiert Qnami jetzt eine erste Quantumplattform für die Materialanalyse in Nanometerauflösung. Das Gerät ProteusQ, welches das Team in der ersten Dezemberwoche im Rahmen der «Material Research Society Fall Exhibition» in Boston erstmals vorgestellt hat, wird es einem breiten Spektrum von Wissenschaftlern und Ingenieuren ermöglichen, die magnetischen Eigenschaften ihrer Materialien quantitativ und störungsfrei zu untersuchen.

Mit ProteusQ können Wissenschaftler und Ingenieure Magnetfelder von Oberflächen in Nanometerauflösung darstellen. (Bild: Qnami)

«Mit ProteusQ wollen wir Wissenschaftler und F&E-Ingenieure bei der Entwicklung fortschrittlicher Materialien für zukünftige Anwendungen in der Elektronik oder im Gesundheitswesen unterstützen», sagt Dr. Mathieu Munsch, CEO von Qnami, im Interview. «Es war uns wichtig, dass unsere Kunden von der Quantenleistung profitieren und gleichzeitig eine ihnen vertraute Umgebung nutzen. Dabei spielt unsere Zusammenarbeit mit Horiba – einem namhaften Hersteller und weltweiten Vertreiber von Rasterkraftmikroskopen – eine wichtige Rolle.» Qnami baut damit auf bestehendem Knowhow auf. Die Kunden können weiterhin mit bewährten Systemen arbeiten, bekommen aber ein deutlich leistungsfähigeres Gerät. «In der modernen Elektronik spielen die magnetischen Eigenschaften der Materialien eine grosse Rolle, werden aber oft wenig verstanden, insbesondere im Submikrometerbereich», bemerkt Matthieu Munsch. «Unsere Technologie ermöglicht es unseren Kunden, einen neuen Blick auf diese Fragen zu werfen.»

Finanzierung gesichert
Im November 2019 konnte Qnami zudem eine Finanzierungsrunde abschliessen, welche die Markteinführung und Weiterentwicklung des Geräts sichert. Geführt wird diese Finanzierungsrunde von «Quantonation», ein auf Quantentechnologie spezialisierter Venture Capital Fonds. Zudem kommt Unterstützung auch von der Schweizer Venture Capital Firma «investiere», dem Deutschen «High-Tech Gründerfonds», der Start-up Unterstützung der Zürcher Kantonalbank und privaten Business Angels, die vor allem auch ihre Industrieerfahrung beisteuern. Insgesamt stehen Qnami über 2.6 Millionen Schweizer Franken zur Verfügung.

Diamanten bilden die Grundlage
Der Kern der ProteusQ-Plattform sind winzige Diamant-Quantensensoren. Die Diamanten besitzen gezielt produzierte Fehlstellen in ihrem Kristallgitter. In diesen sogenannten Stickstoff-Vakanz-Zentren (NV-Zentren) kreisen einzelne Elektronen, die kontrolliert werden können. Wirken magnetische Felder auf diese «gefangenen» Elektronen, ändert sich ihr Eigendrehimpuls (Spin), was optisch erfasst werden kann.

Die Mikrometer grossen Diamanten werden an einem winzigen Federbalken befestigt und in ein Rasterkraftmikroskop integriert. «Beim Abtasten der Materialoberfläche entsteht nach und nach ein Bild der magnetischen Felder mit einer Auflösung im Nanometerbereich», erklärt Alexander Stark, der für die Entwicklung des Instruments verantwortlich ist. «Dabei lassen sich die unterschiedlichsten Materialien untersuchen – selbst die empfindlichsten, atomar dünnen Strukturen. Im Prinzip sind sie sogar für biologische Materialien geeignet, da sie nicht mit dem zu analysierenden Material interagieren.»

Viel erreicht in den letzten Monaten
Die Grundlagen für die Technologie stammen aus dem Labor von Patrick Maletinsky vom Departement Physik an der Universität Basel. Von der Forschungsplattform bis zu dem jetzt verfügbaren marktreifen Produkt war es noch ein recht langer Weg, den Qnami in den letzten Monaten zurückgelegt hat.

Es mussten Mitarbeiter mit der entsprechenden Qualifikation gefunden und eingestellt werden. Inzwischen ist das Team auf zehn Mitglieder angewachsen, einschließlich Quanteningenieuren und erfahrenen Kaufleuten – jeder für sich ein Experte auf seinem Gebiet und trotzdem auch Allrounder und Teamplayer, der bereit ist verschiedene Aufgaben zu übernehmen.

Dann gab es technische Hürden zu nehmen. So arbeitete Felipe Favaro zusammen mit Kollegen der Universität Basel und dem Paul Scherrer Institut (PSI) im Rahmen des Nano-Argovia-Projekts «NQsense» daran, die Produktion der Diamantsensoren zu optimieren und die Lichtausbeute der Diamanten zu steigern. «Mit dem Nano-Argovia-Projekt konnten wir nicht nur die Produktion auf den nötigen Standard verbessern, wir haben mit Gediminas Seniutinas auch einen neuen Mitarbeiter gewonnen», erzählt Mathieu Munsch. Dr. Gediminas Seniutinas war als Postdoc am PSI an NQsense beteiligt und ist nun bei Qnami für die Reinraumproduktion der Diamantsensoren verantwortlich.

Zahlreiche weitere grosse wie kleine Optimierungen haben dazu geführt, dass ProteusQ jetzt nicht nur einsatzbereit ist, sondern in dieser Form auch verkauft werden kann. Im Jahr 2020 wird Qnami daher ein Applikationslabor eröffnen. Kunden aus aller Welt können dann das Quantenmikroskop testen und den Nutzen für ihre eigenen Anwendungen beurteilen.

Weitere Information:

Qnami
Horiba Scientific