Mit einem Nanokleber zur besseren Wundheilung

Tino Matter hat den Preis für die beste Masterarbeit in Nanowissenschaften bekommen.

Der Preis für die beste Masterarbeit in Nanowissenschaften an der Universität Basel geht dieses Jahr an Tino Matter. Er hat im Rahmen seiner Arbeit an der Empa bioaktive Nanopartikel untersucht, die für einen schnellen Wundverschluss sorgen und die Wundheilung unterstützen sollen.

Während bei einem gesunden Patienten Wunden auf natürliche Weise heilen, kann die Wundheilung bei älteren Patienten und bei Vorerkrankungen wie Diabetes stagnieren. Auch innere Wunden bereiten in manchen Fällen Probleme, da sie schwierig zu schliessen sind. Offene Wunden beeinflussen die Lebensqualität der Patienten, erhöhen das Risiko von Infektionen und verursachen im Gesundheitssystem hohe Kosten. Neue Therapieansätze, die einen schnellen Wundverschluss und Heilung bewirken, sind daher gefragt.

Bioaktive Nanopartikel als Lösung
Eine Möglichkeit dies zu erreichen, könnte der Einsatz bioaktiver Nanopartikel sein. Tino Matter hat in der prämierten Masterarbeit den Einsatz verschiedener Nanopartikel als Wundkleber untersucht. Zunächst stellte er mithilfe einer Flammensynthese verschiedene Nanopartikel her, die er auf ihre Klebewirkung und blutungsstillende Wirkung hin untersuchte. Er kombinierte die Partikel daraufhin mit anderen Materialien und testete weitere Eigenschaften wie antimikrobielle Aktivität, die Stimulierung der Blutgefässbildung oder Wirkung als Antioxidantien.

«Vor allem Nanopartikel in Kombination mit bioaktivem Glas (Bioglas) sind vielversprechende Kandidaten», beschreibt er. «Sie fungieren als Kleber, da sie dank ihrer grossen Oberfläche sehr gut an dem Gewebe haften. Zudem stimulieren sie die Blutgerinnung entscheidend», führt er weiter aus. Kombiniert mit kleinsten Mengen an Silber besitzen die Bioglas-Nanopartikel antimikrobielle Eigenschaften. Wenn Strontium als Dotiersubstanz hinzugegeben wird, bilden sich neue Blutgefässe schneller aus, was die Wundheilung ebenfalls unterstützt. Wichtig bei allen Ansätzen ist es dem Forscherteam von Dr. Inge Herrmann an der Empa, die Tino für seine Masterarbeit betreute, dass gleichzeitig die gesundheitliche Unbedenklichkeit der verschiedenen Materialkombinationen untersucht wird.

In seiner Masterarbeit hat er sich mit einem neuartigen Wundkleber beschäftigt (Bild: Tino Matter)

Fasziniert von dem Thema
Schon für eine seiner Projektarbeiten im Nanowissenschaftsstudium hat sich Tino mit dem Thema Wundkleber beschäftigt. Nach einem Aufenthalt am Institute of Microelectronics of Barcelona wollte der engagierte junge Nanowissenschaftler die Forschungslandschaft in der Schweiz etwas besser kennenlernen. Er bewarb sich über die Stellenplattform «Sirop» auf eine Stelle an der Empa im Team von Inge Herrmann. Seither lässt ihn das Thema Wundheilung nicht mehr los. Denn auch nach dem erfolgreichen Masterabschluss ist er für seine Doktorarbeit an der Empa geblieben, um das Projekt weiter voranzubringen. «Dabei ist es uns sehr wichtig, eng mit Chirurgen zusammen zu arbeiten. Wir wollen ja etwas entwickeln, das dann tatsächlich zum Wohle der Patienten eine Anwendung findet», erläutert Tino.

Reizvolle Kombination von Mathematik und Naturwissenschaften
Als Tino Matter 2012 zum Nanostudium nach Basel kam, hat er sich über Projekt-, Master- oder Doktorarbeit noch keine Gedanken gemacht. Bei einem Infotag in Fribourg hatte er vom Nanostudium in Basel erfahren. «Ein Studium, das einem viel offen lässt, indem es Mathe und alle Naturwissenschaften vereint», das war sein Eindruck und genau das, was er wollte. Er hat es nicht bereut, Nanowissenschaften studiert zu haben und würde jederzeit wieder den anspruchsvollen interdisziplinären Studiengang wählen. «Vor allem die ersten Jahre waren wirklich zeitintensiv. Aber der Stoff war interessant und es ist unglaublich, was ich in dieser Zeit gelernt habe», erinnert er sich. Wie so viele seiner Kolleginnen und Kollegen sind ihm vor allem die Blockkurse in Erinnerung geblieben, bei denen man einen Einblick in die verschiedenen Gebiete bekommt und «die Mentalität in den verschiedenen Disziplinen kennen lernt», wie er sagt.

Interdisziplinarität und hohe Qualität
Es besteht kein Zweifel, dass es Tino Matter nicht schwer fällt, sich diesen verschiedenen Mentalitäten und Sprachen anzupassen und sich vielfältig zu engagieren. Während des Studiums war er beispielsweise im Organisationskomitee für die INASCON (International Nanoscience Student Conference) und beim letzten Annual Event, bei dem er den Preis für die beste Masterarbeit verliehen bekam, mischte er sich wie selbstverständlich unter die SNI-Doktoranden, beteiligte sich an allen Aktivitäten und präsentierte im Rahmen der Postersession seine spannende Forschung.

Der stark interdisziplinäre Charakter dieser Forschung war einer der Gründe, warum die Arbeit unter einer Reihe hervorragender Masterarbeiten für den Preis ausgewählt wurde. Daneben war wesentlich, dass Professor Ernst Meyer, der die Arbeit an der Universität Basel betreute, sie für «eine der besten hielt, die er je benoten durfte».

Herzlichen Glückwunsch an Tino Matter und weiterhin viel Erfolg und Glück!

Weitere Artikel zu der Arbeit von Tino gibt es unter: https://mtmatter.github.io