Nano im Kino

Kino der ganz anderen Art fand im Februar im Kino Oris in Liestal statt. Achtzig Gäste aus Politik und Wissenschaft begaben sich auf eine Ent-deckungsreise in die Nanowelt. Die Universität Basel und das Swiss Nanoscience Institute hatten diesen Abend zu Ehren von Professor Christoph Gerber organisiert. Er hat zusammen mit zwei Kollegen vor mehr als 30 Jahren das Rasterkraftmikroskop entwickelt und wurde dafür unter anderem mit dem renommierten Kavli-Preis, der auch als Nobelpreis der Nanowissenschaften bezeichnet wird, ausgezeichnet. Mit dieser Erfindung haben die Wissenschaftler die Erforschung des Nanokosmos erst ermöglicht.

Die Rektorin der Universität Basel, Frau Professor Schenker-Wicki, begrüsste die geladenen Gäste und bedankte sich bei den Trägerkantonen der Universität Basel-Landschaft und Basel-Stadt sowie auch dem Nachbarkanton Aargau, der durch sein Engagement die Forschung in den Nanowissenschaften massgeblich unterstützt. Sie hob hervor, welche besondere Ehre es sei, einen Kavli-Preisträger zu den Forschern der Universität Basel zu zählen. Auch Monica Gschwind, Vorsteherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft richtete Grussworte an die Zuhörerinnen und Zuhörer und gab einen Überblick über Bereiche, in denen Nanotechnologie Fortschritte erzielen kann.

Professor Christian Schönenberger, Direktor des vom Kanton Aargau und der Universität Basel geförderten Swiss Nanoscience Institute, erläuterte dann etwas ausführlicher, was an den Nanowissenschaften so besonders ist. Anhand einiger Beispiele erfuhren die Gäste, welchen Einfluss allein die Grösse von Partikeln und Strukturen ausmacht. So kann beispielsweise die Grösse von Partikeln über ihre Farbe entscheiden und auch der Lotuseffekt beruht auf winzigen Strukturen im Nanometerbereich. Professor Christoph Gerber nahm die Teilnehmerinnen und Teilnehmern dann mit in die Zeit vor über 30 Jahren als er zusammen mit seinen Kollegen mit recht einfachen Mitteln das erste Rasterkraftmikroskop baute. Er zeigte auf, wie rasant sich seine Erfindung weiterentwickelt hat und in welchen Bereichen die Rasterkraftmikroskopie heute Einzug gehalten hat.

Die folgenden kurzen und sehr anschaulichen Vorträge widmeten sich dann der aktuellen Forschung, die durch die Entwicklung des Rasterkraftmikroskops erst möglich wurde. Dr. Urs Matter von der in Liestal ansässigen Nanosurf AG demonstrierte, wie mit Hilfe einer Nanowaage die Masse einzelner Zellen einer Zellkultur ermittelt werden kann und wie Wissenschaftler diese Daten nutzen, um Information über den Gesundheitszustand der Zellen zu erhalten. Nanosurf ist bereits seit einigen Jahren einer der führenden Hersteller von Rasterkraftmikroskopen und bringt die vorgestellte Nanowaage, bei deren Entwicklung unter anderem auch Christoph Gerber beteiligt war, auf den Markt.

Professor Ernst Meyer vom Departement Physik der Universität Basel nutzt das besondere Mikroskop, um einzelne Moleküle zu beobachten. So ist er mit seinem Team in der Lage, die Arbeit eines winzigen Katalysators Schritt für Schritt zu beobachten. Derartige Forschung hilft, katalytische Reaktionen besser verstehen zu lernen und effizientere Katalysatoren zu entwickeln. Am Übergang zwischen Physik und Biologie arbeitet der Argovia-Professor Roderick Lim vom Biozentrum der Universität Basel. Er zeigte anhand anschaulicher Beispiele, wie er mithilfe eines Hochgeschwindigkeit-Rasterkraftmikroskops in der Lage ist, die Poren in der Membran des Zellkerns darzustellen. Seine Forschung gibt Aufschluss darüber, wie derartige Nanomaschinen den Transport von Molekülen steuern und kontrollieren.

Den Abschluss des informativen Abends machte Dr. Marija Plodinec von Nuomedis, einem Start-up der Universität Basel. Die junge Firma setzt die Rasterkraftmikroskopietechnik in der Krebsdiagnostik ein. Marija Plodinec zeigte, dass sich die Zellen eines Tumors in ihrer Elastizität unterscheiden und vor allem die weichen Zellen in der Lage sind, zu metastasieren. Darauf basierend lässt sich mit dem von Nuomedis entwickelten Gerät ARTIDIS die Gefährlichkeit eines Tumors ermitteln.

Die kurzen Vorträge der Wissenschaftler gaben einen sehr guten Einblick darüber, wie vielfältig sich das von Christoph Gerber und seinen Kollegen Gerd Binnig und Carl Quate entwickelte Mikroskop einsetzen lässt und wie es heute dabei hilft, die spannende Nanowelt besser zu verstehen. Beim anschliessenden geselligen Apéro gab es für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch ausreichend Gelegenheit Fragen zu stellen und mehr über die faszinierende Forschung an der Universität Basel und am Swiss Nanoscience Institute zu erfahren.