Mit perfektem Timing zum Traumjob

Michael Gerspach startet seine berufliche Laufbahn bei BÜHLMANN Laboratories AG

 

Michael Gerspach war einer der ersten Doktoranden der SNI-Doktorandenschule und für das Swiss Nanoscience Institute viele Jahre lang ein zuverlässiger Ansprechpartner wenn es um Outreach-Aktivitäten ging. Ein paar Tage nach der Verteidigung seiner Dissertation über Nanofluidic-Plattformen hat er die Zusage für eine unbefristete Anstellung als Research Scientist bei BÜHLMANN Laboratories AG in Schönenbuch erhalten. Hier baut er nun zusammen mit drei Kollegen eine Gruppe auf, die neue Techniken für die Medizin-Diagnostik basierend auf Biomarkern entwickeln wird.

 

Zunächst Glas und Silizium
Michael Gerspach hat an der Universität Basel Nanowissenschaften studiert, bevor er 2013 mit seiner Doktorarbeit über Nanofluidic-Plattformen zur Untersuchung einzelner Nano-partikel begann. Am Anfang seiner Arbeit verbrachte er viele Stunden in den Reinräumen des Paul Scherrer Instituts, um Glas- und Siliziumchips mit einem Raster von winzigen Kanälen und Taschen zu versehen. Aufgrund von elektrostatischen Kräften lassen sich geladene Nanopartikel zwischen den negativ geladenen Wänden dieser Kanäle stabil einfangen und untersuchen. Michael optimierte dabei die Methode, bis er einzelne Goldpartikel mit einer Grösse von nur 40 Nanometern über einen Zeitraum von mehreren Minuten in den Kanälen für die Untersuchung isolieren konnte. Das System funktionierte sehr gut, ist jedoch kosten- und zeitintensiv und erfordert den Zugang zu Reinräumen.

Die kostengünstigere Variante
Um eine kostengünstigere Alternative zu entwickeln, die auch in Laboren ohne Hightech-Ausstattung angewendet werden kann, fokussierte Michael Gerspach seine Arbeiten anschliessend auf eine Plattform aus Polydimethylsiloxan (PDMS), wobei nur für die Herstellung einer Gussform und eines Stempels der Reinraum erforderlich ist. Mithilfe von Elektronenstrahllithografie und Ionenätzung wird dabei zunächst ein Siliziummodell der Plattform hergestellt. Anhand dieses Modells wird ein Stempel produziert, mit dem die gewünschten Vertiefungen anschliessend auf PDMS übertragen werden können. «Die ersten beiden Schritte sind aufwendig. Die eigentliche Herstellung der PDMS-Plattform kann dann aber in einem ganz normalen Labor in Serie erfolgen», beschreibt Michael Gerspach seine Entwicklung, mit der es gelingt, einzelne winzige Nanopartikel ohne jegliche Markierung und externe Kraft einzufangen und für eine Untersuchung bereitzustellen.

Hervorragender Arbeitgeber
Die praktischen Arbeiten erledigte Michael vor allem in den Laboren des Paul Scherrer Instituts (PSI). Er wurde dort von Dr. Yasin Ekinci betreut und fand für alle grossen und kleinen Anliegen immer Ansprechpartner, die ihm mit Rat und Tat zur Seite standen. «Das PSI ist ein toller Arbeitsplatz mit einer sehr guten Ausstattung und extrem hilfsbereiten Kollegen», fasst er im Interview zusammen. An der Universität Basel war es vor allem Dr. Thomas Pfohl, der Michael intensiv betreute und immer für Diskussionen und Anregungen zur Verfügung stand.

Verschiedene Kriterien gaben den Ausschlag
Bereits im Januar 2017 hatte er begonnen, sich nach möglichen Anstellungen für die Zeit nach der Dissertation umzuschauen. Es gab einige Stellen, die sich interessant anhörten und ein paar wenige, auf die sein Profil genau passte. Bei der sich in Privatbesitz befindlichen Firma BÜHLMANN Laboratories AG in Schönenbuch (BL), die im Bereich der Medizin-Diagnostik ihren Schwerpunkt hat, wurde zum Beispiel ein Research Scientist gesucht, der in einem interdisziplinären Team neuartige Nachweismethoden für Biomarker entwickeln und optimieren soll. Michael fühlte sich sofort angesprochen und bewarb sich. Er wurde zu mehreren Interviewrunden eingeladen und bekam in der Woche nach seiner Verteidigung die Zusage. Das Thema Biomarker ist nicht ganz neu für ihn, da er sich schon im Rahmen seiner Masterarbeit am London Centre for Nanotechnology mit einem Biomarker für HIV befasst hatte. «Wahrscheinlich hat das auch den Ausschlag gegeben, dass ich den Job bekommen habe“, vermutet Michael.

Der Eigentümer der Firma Dr. Roland Bühlmann stellte Michael Gerspach persönlich ein: «Die spezifische Ausbildung der Nanowissenschaften von Michael Gerspach, sein Know-how- und seine Persönlichkeit haben uns überzeugt und wir sind froh, ihn jetzt in unserem Team zu haben,» sagt er.

Es war bestimmt auch die Breite der Ausbildung im Studium und in der Doktorandenschule, die ihn gegenüber anderen Bewerbern ausgezeichnet hat. Sicherlich sind auch seine offene Art und die Aktivitäten, mit denen er sich über die wissenschaftliche Arbeit hinaus am SNI eingebracht hat, Pluspunkte für ihn gewesen. So war Michael in den vergangenen Jahren dreimal daran beteiligt, die INASCON, eine internationale Konferenz von und für Studierende der Nanowissenschaften, zu organisieren. Im Jahr 2015 stellte er sich dazu ein Team zusammen, mit dem er dann eine perfekte Tagung in Basel plante und durchführte. «Es hat uns grossen Spass gemacht und wir haben alle unheimlich viel gelernt. Keiner wusste zum Beispiel vorher, wie aufwendig es ist, Sponsoren zu bekommen und Werbung zu machen», erinnert sich Michael. Und auch die zahlreichen Outreach-Aktivitäten, anlässlich derer er nanowissenschaftliche Forschung verschiedensten Gruppen nähergebracht hat, haben ihm bei den Bewerbungsgesprächen sicher ebenfalls geholfen, sich gegen die zahlreichen Mitbewerber zu behaupten.

Viel zu lernen und viel zu forschen
Seine Aufgabe bei BÜHLMANN Laboratories ist es nun zunächst, ein neues Labor aufzubauen. So war Michael Gerspach in den ersten Wochen vor allem damit beschäftigt, sich in die Thematik einzulesen, die neuen Kolleginnen und Kollegen kennen zu lernen und die Ausstattung des neuen Arbeitsplatzes zu planen und zu bestellen. Anfang 2018 soll es dann richtig losgehen mit der Forschung. Das vierköpfige Team wird verschiedene Biomarker untersuchen, die unter anderem wichtige Informationen über Darmerkrankungen liefern sollen. Die als Corporate Research Lab aufgebaute neue Gruppe soll dabei innovative Ansätze testen und zum «Think Tank» der Firma werden.

Die Jobsuche hatte sich Michael anfänglich etwas einfacher vorgestellt. Aber nun ist er genau da, wo er hinwollte. «Es ist grossartig, hier etwas aufzubauen, von Anfang an dabei zu sein und dann an einem Thema zu forschen, dass einen positiven Nutzen für so viele Menschen bringen kann. Mein Ziel war immer in der Forschung zu bleiben, aber in der Industrie an einem angewandten Thema zu arbeiten», bemerkt er.

Für das SNI ist es sehr schön zu sehen, dass die Absolventen der SNI-Doktorandenschule auf dem umkämpften Arbeitsmarkt gute Chancen haben und auch die Industrie, die breite interdisziplinäre Ausbildung zu schätzen weiss.