Professor Thomas Jung

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Professor Thomas Jung bringt Vieles unter einen Hut. Er ist Titularprofessor an der Universität Basel und leitet Forschungsgruppen am Paul Scherrer Institut und der Universität Basel. Seine Forschungsaktivitäten reichen von angewandter Auftragsforschung für unterschiedlichste Firmen über die Arbeit an den Grossforschungsanlagen des PSI bis zu Grundlagenwissenschaft. Er ist fasziniert von dem Gedanken, Chemie sichtbar zu machen und in Bildern darzustellen. Dabei übersieht der 53-jährige Physiker aber auf keinen Fall die Menschen, die hinter dieser Arbeit stecken. Es ist ihm ein Anliegen, Freude an den Naturwissenschaften zu vermitteln, Chancengleichheit zu leben und auch selbst Familie und Beruf bestmöglich zu vereinen.

Fasziniert vom Übergang zwischen Physik und Chemie

Thomas Jung ist mit Leib und Seele Wissenschaftler. Er ist fasziniert von Themen, bei denen die Disziplinen Chemie und Physik ineinander übergehen. Zuschauen zu können, wie sich Moleküle selbst organisieren, wie sie sich verbinden und kondensieren – das begeistert ihn. Lange Zeit war er sich jedoch nicht sicher, ob Physik für ihn das Richtige sei. Nach seiner Schulzeit schwankte Thomas Jung zwischen einem Medizin-, Maschinenbau- oder Physikstudium. Eigentlich wollte er vor allem forschen und damit sprach einiges für Physik. Er hatte jedoch anfänglich zu viel Respekt und schrieb sich zunächst für Maschinenbau an der ETH Zürich ein. Noch im ersten Semester wechselte er jedoch und blieb seither der Physik treu. Seine anfänglichen Zweifel wurden im Laufe des Studiums nicht ganz ausgeräumt. „Es war eine echte Hungerstrecke für mich“, erinnert sich Thomas Jung. Nach eigener Meinung mangelte es ihm vor allem etwas an Disziplin, die an der ETH unbedingt erforderlich war. Er fand es grossartig, dass auch Chemie als Pflichtfach angeboten wurde und er die Gelegenheit hatte Fächer wie Biophysik, Volkswirtschaft, Literatur und Geschichte als Wahlfach zu belegen. Für die Dinge, die er eigentlich lernen sollte, fehlte aber hier und da die Motivation. Das änderte sich schlagartig mit der Masterarbeit über Photoemission im Jahr 1987. „Zum ersten Mal hatte ich richtig Spass, weil ich etwas Neues kreieren konnte“, bemerkt Thomas Jung.

Neue Mikroskope führen nach Basel

In dieser Zeit hörte Thomas Jung auch erstmals von den neu entwickelten Rastertunnelmikroskopen und interessierte sich sofort. Sein Betreuer an der ETH-Professor Hans-Christian Siegmann empfahl ihm, sich in Basel bei Professor Güntherodt zu bewerben. Hans-Joachim Güntherodt kümmerte sich um eine Promotionsstelle für Thomas Jung und stellte ihm die herausfordernde Aufgabe ein Tieftemperatur-Rasterkraftmikroskop (AFM) zu entwickeln, mit dem der Meissner-Effekt gemessen werden kann (unter dem Meissner-Effekt versteht man die Eigenschaft von Supraleitern ein von außen angelegtes magnetisches Feld vollständig aus ihrem Inneren zu verdrängen). 1992 schloss Thomas Jung seine Dissertation ab. Er hatte ein neues AFM aufgebaut und viel Vorarbeit geleistet, aber es dauert noch drei weitere Jahre bis Professor Hans-Josef Hug mit dem AFM im Rahmen seiner Doktorarbeit dann tatsächlich auch den Meissner-Effekt erfolgreich messen konnte.

Zum ersten Mal Moleküle gemessen

Für Thomas Jung war die Doktorarbeit der Einstieg in die Welt der Rastersondenmikroskopie. Er führte am damaligen Paul Scherrer Institut in Zürich (jetzt CSEM) Mitarbeitende in die Rasterkraftmikroskopie ein und schrieb zahlreiche Veröffentlichungen. Ihm standen die Türen für verschiedene Postdoc-Stellen offen. Mit drei verschiedenen Stipendien ausgestattet entschied er sich für das IBM T. J. Watson Research Laboratory in Yorktown Heights NY (USA). Nach zwei Jahren in den USA wechselte er zum IBM Forschungslaboratorium Rüschlikon. „Das war die beste Zeit“, erinnert sich Thomas Jung. „Hier habe ich das erste Mal Moleküle gemessen und damit Reaktionen aus dem Reagenzglas sichtbar gemacht.“ Thomas Jung konnte damit sein Interesse für Biophysik mit der neuen Mikroskopie und Experimentiertechnik verbinden und einsetzen. „Meine Kollegen haben gerne über meine kleine „Tierchen“, die Porphyrine, gewitzelt“, schmunzelt Jung. Die Leidenschaft chemische Prozesse abzubilden und so genauestens zu untersuchen hat ihn bis heute nicht verlassen. Anfang des Jahres veröffentlichte er mit seinem Team ein Paper in „Nature Communications“, in dem die Forschenden anhand von Bildern zeigen, wie Xenon-Atome in Quantentöpfen kondensieren.

Forschung in Basel und am PSI

Seit 1997 forscht Thomas Jung nicht mehr bei IBM, sondern als Gruppenleiter am Paul Scherrer Institute und seit 1998 als Leiter des Nanolabs an der Universität Basel. 2009 wurde er Titularprofessor an der Universität Basel. Sowohl in Villigen als auch in Basel hat er eine Forschungsgruppe mit je etwa sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Team am PSI fokussiert sich vor allem auf Projekte rund um den Magnetismus von Molekülen und nutzt dafür die Grossforschungsanlagen des PSI. Die Gruppe in Basel untersucht die Selbstanordnung von Molekülen und die Kondensation von Atomen. Häufig sind die beiden Gruppen auch gefragt, wenn es um Auftragsarbeiten aus der Industrie geht. Oberflächenanalytik und Beschichtungen sind dabei die häufigsten Themen. Thomas Jung ist daneben auch regelmässig als Projektleiter (PI) und als Co-PI bei Argovia-Projekten und in der SNI-Doktorandenschule aktiv. Wenn er für neue Projekte Stellen zu besetzen hat, schaut sich Thomas Jung den jeweiligen Menschen und weniger die Abschlussnoten an. „Köpfe zählen für mich mehr als Noten“, kommentiert er. Es ist ihm daher auch ein Anliegen, dass seine Mitarbeitenden Spass an der Sache haben und im Labor eine gute Atmosphäre herrscht.

Für Physik begeistern

Thomas Jung verbindet mit seinem Engagement für seine Labore viele seiner breiten Interessen. Es ist ihm daneben ein echtes Bedürfnis Physik gut zu vermitteln und junge Leute für die „harten“ Naturwissenschaften zu interessieren. Während seiner Zeit als Präsident der Schweizerischen Physikalischen Gesellschaft zwischen 1999 und 2002 hat er das Swiss Young Physics Tournament (SYPT) mitinitiiert und damit Schweizer Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben an dem Internationalen Young Physics Tournament (IYPT) teilzunehmen. Unter anderem seiner Initiative ist es zu verdanken, dass das IYPT im „Jahr der Physik“ 2005 erstmals in der Schweiz stattfand.

Engagement in der Familie

Wie man mit jungen Menschen umgeht, weiss Thomas Jung auch gut aus seinem Privatleben. Er hat vier Jungs im Alter zwischen 8 und 20. Da er Chancengleichheit nicht nur in seinem beruflichen Alltag unterstützt, kocht er häufig für die ganze Familie. An zwei Tagen der Woche ist es zudem seine Aufgabe sich ab dem späten Nachmittag um die beiden kleineren Jungs zu kümmern. Daneben hält sich Thomas Jung vor allem mit Radfahren fit, denn es ist im wichtig an einem Nachmittag „mal schnell“ auf einen Dreitausender steigen zu können. So fährt er mindestens einmal die Woche von Thalwil mit dem Velo zu Arbeit. Und auch sein Familienurlaub entspricht nicht unbedingt dem vieler anderer Familien. Er geht beispielsweise mit Schwiegereltern, Frau und Kindern in Alaska zelten oder reist mit seiner Familie einmal quer durch Ladakh – und bringt damit seine Begeisterung für die Berge, die Lust am Entdecken von Neuem und die für ihn sehr wertvolle, aber auch immer knappe Zeit mit der Familie perfekt unter einen Hut.