Michael Gerspach

Michael

Der gebürtige Freiburger Michael Gerspach ist zwar ein neuer Doktorand im PhD-Programm, aber ein „alter Hase“ am SNI. Bereits 2006 kam er zum Nanostudium nach Basel, nachdem ihn Professor Güntherodt bei einem Vortrag von den Möglichkeiten der Nanowissenschaften begeistert hatte. Michael hatte im Rahmen seiner Schulausbildung am biotechnologischen Gymnasium in Lörrach eine Informationsveranstaltung in Basel besucht und dort erstmals gehört, wie neuartige Mikroskope die Erforschung der Nanowelt möglich machen. Er war fasziniert von diesem Forschungsgebiet und hatte sich daraufhin entschlossen, nicht – wie ursprünglich geplant – Biologie oder Mikrosystemtechnik, sondern Nanowissenschaften zu studieren.

Heute ist er froh über diesen Schritt und überzeugt, dass das Nanostudium in Basel eine hervorragende Ausbildung liefert. Allerdings war er sich dessen nicht immer so sicher. Nach Abschluss des Bachelors zweifelte er, schaute sich sogar nach Alternativen um. „Ich hatte damals das Gefühl nicht optimal ausgebildet zu sein“, berichtet er. „Wir haben ja drei Fächer – Biologie, Chemie und Physik – studiert, aber keines so detailliert wie die Studierenden der jeweiligen Disziplin.“ Mit dem Masterstudium veränderte sich seine Skepsis. Jetzt bekam Michael Gerspach bei den praktisch orientierten Projektarbeiten und der Masterarbeit die Möglichkeit, sich tiefer in ein Thema einzuarbeiten und den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen. „Da hat mir das interdisziplinäre Studium sehr geholfen. Vor allem hat mich begeistert, dass wir eigenverantwortlich arbeiten konnten. Wir durften als Studenten an die neusten Hightech-Geräte und konnten so wirklich einmalige Erfahrungen sammeln“, erinnert er sich.

Michael nutzte die Gelegenheit die verschiedenen Praktika bei unterschiedlichen Partnern des SNI zu absolvieren. Er war am IMT (Institute of Microengineering) in Neuchâtel, am C-CINA in Basel und wechselte für seine Masterarbeit an das London Centre for Nanotechnology. Er arbeitete dort in der Gruppe von Professor Rachel McKendry an einem kostengünstigen Diagnosewerkzeug um die einzelnen Stadien des HIV-Verlaufs zu bestimmen. Das Gerät soll ohne grossen technischen Aufwand auch in entlegenen Gebieten eingesetzt werden und mit den Daten wichtige Informationen für die richtige medikamentöse Behandlung liefern.

Die breite Erfahrung, die Michael im Lauf seines Studiums sammeln konnte, hat seiner Einschätzung nach geholfen, in dem neu eingeführten Doktoranden-Programm des SNI eine der Anstellungen zu bekommen. Im April 2013 hat er als einer der Ersten mit seiner Doktorarbeit begonnen und hat auch jetzt wieder die Chance verschiedene Arbeitsgruppen kennenzulernen. Sein Doktorat ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Paul Scherrer Institut (PSI) und der Universität Basel. So arbeitet er vier Tage die Woche am PSI in Villigen in der Gruppe von Dr. Yasin Ekinci und einen Tag an der Universität Basel in der Gruppe von Professor Thomas Pfohl. Seine Aufgabe für die nächsten Jahre ist es, ein Nanosystem zu entwickeln, das in Zukunft erlaubt, einzelne Biomoleküle in Lösung näher zu untersuchen. Dazu werden Mikro- und Nanokanäle in Siliziumdioxid-Chips geätzt. Die Wände dieser Kanäle sind elektrisch geladen. Durch die entstehenden elektrostatischen Kräfte lassen sich einzelne geladene Moleküle wie zum Beispiel DNA zwischen diesen Wänden einfangen und genauer untersuchen. In einem ersten Schritt testet Michael dieses System mit Gold- und Polymer-Nanopartikeln um die Leistung der Silizium-Chips zu analysieren, die er mit modernsten Nano-Fertigungsmaschinen im Reinraum hergestellt hat. In einem weiteren Schritt passt er die Methode so an, dass Biomoleküle in wässriger Salzlösung untersucht werden können. In Salzlösungen lassen die elektrostatischen Kräfte nach, daher müssen äussere Bedingungen wie Abstände der Wände so adaptiert werden, dass die Moleküle weiterhin eingefangen werden können.

Michael Gerspach ist begeistert von der interdisziplinären Forschung, bei der er sein erworbenes Wissen und seine Fähigkeiten anwenden kann. Er geniesst seine tägliche Arbeit im Labor, in dem er eine exzellente Infrastruktur sowie hervorragende Fachkenntnisse vorfindet. Obwohl er erst am Anfang seiner wissenschaftlichen Laufbahn steht, ist Michael bereits ein idealer Botschafter für die Nanowissenschaften und das Nanostudium in Basel. Er engagiert sich seit vielen Jahren im Verein der Nanostudierenden und steht auch oft bei Informationsveranstaltungen über das Nanostudium zur Verfügung. Gut vorstellbar, dass auch er eines Tages junge Menschen für das Nanostudium begeistern wird.