Christoph Gerber erhält Wissenschaftspreis 2011 der Stadt Basel

110810105340-christophDer diesjährige Wissenschaftspreis der Stadt Basel geht an Prof. Dr. Christoph Gerber. Ausgezeichnet wird der am Swiss Nanoscience Institute und am Departement Physik der Universität Basel tätige Physiker für seine herausragenden und weltweit beachteten Pionierarbeiten in den Nanotechnologien, insbesondere für die Entwicklung hochempfindlicher Sensoren in Biologie, Chemie und Medizin.

Der baselstädtische Regierungsrat hat an seiner heutigen Sitzung den diesjährigen Wissenschaftspreis Prof. Dr. Christoph Gerber verliehen. Er ehrt damit Christoph Gerber als Pionier der Nanotechnologien, der ohne eine klassische universitäre Ausbildung weltweit anerkannte Spitzenleistungen erbracht hat. Der mit 20’000 Franken dotierte Preis wird jährlich und im Turnus der sieben Fakultäten Forschenden zuerkannt, die zur Universität Basel in Beziehung stehen und sich durch herausragende wissenschaftliche Leistungen hervorgetan haben.

Mitbegründer der Basler Nanowissenschaften Der 1942 in Basel geborene Physiker begann seine wissenschaftliche Karriere in der Forschungsabteilung der Firma Contraves in Schweden. Daraufhin war er während vieler Jahre in den IBM-Forschungslabors in der Schweiz, Deutschland und den USA tätig. 2001 begründete er zusammen mit Prof. Dr. Hans-Joachim Güntherodt den Nationalen Forschungsschwerpunkt Nanowissenschaften am Departement Physik der Universität Basel, aus dem 2006 das Swiss Nanoscience Institute (SNI) hervorgegangen ist. Seither ist er am SNI der Universität Basel als Forschungsgruppenleiter und Direktor der wissenschaftlichen Kommunikation tätig.

Pionier der Rasterkraftmikroskopie Christoph Gerber war wesentlich an der Erfindung sowohl des Rastertunnel- als auch des Rasterkraftmikroskops beteiligt. Das Rasterkraftmikroskop oder Atomic Force Microscope (AFM) bietet eine Auflösung, mit der sich einzelne Atome abbilden lassen. Es funktioniert auf vielen, auch nichtleitenden Materialien, weshalb es in zahlreichen Disziplinen wie Physik, Biologie, Nanotechnologie, Chemie, Medizin und Ingenieurwissenschaften weltweit Verbreitung fand. Die Erfindung der neuen Mikroskope in den Achtzigerjahren war bahnbrechend und hat die Forschung in zahlreichen Gebieten nachhaltig revolutioniert. Heute erforscht Gerber mit seiner Forschungsgruppe am Swiss Nanoscience Institute verschiedene Anwendungen und Weiterentwicklungen des Rasterkraftmikroskops und der damit verbundenen Federbalkentechnik für die Messung von Funktionen und Eigenschaften in der Nanowelt der Biologie und Chemie.

Die Federbalkentechnik erlaubt, die Präzision und Genauigkeit der Natur in molekularen Dimensionen im Labor nachzuvollziehen. Durch die Messung kleinster Kräfte wurde es beispielsweise möglich, bestimmte Wechselwirkungen zwischen Molekülen zu bestimmen. Dies ermöglichte auch neue Ansätze für Studien am Erbmaterial und an teilweise lebenswichtigen Proteinen. So wurde ein vollkommen neues Forschungsgebiet erschlossen, das einen vertieften Einblick in die Nanowelt gibt. Die Nutzbarmachung der Federbalkentechnik für hochempfindliche Nano-Wärmesensoren oder für das Aufspüren von Magnetresonanz gestattet es, deutlich kleinere Bereiche mit höherer Genauigkeit als mit herkömmlichen Magnettomographen zu untersuchen. So lassen sich beispielsweise Bakterien und ihre Resistenzen gegen Antibiotika nachweisen, womit die herkömmliche Petrischale effizient ersetzen werden kann.

International renommierter Wissenschaftler Prof. Dr. Christoph Gerber ist international hoch angesehen, und seine wissenschaftliche Exzellenz ist mit einer Vielzahl von akademischen Titeln und Mitgliedschaften gewürdigt worden. Die Universität Basel ehrte die ausserordentlichen wissenschaftlichen Verdienste von Prof. Gerber 1987 mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät.

Gerbers bahnbrechenden Arbeiten wurden über 21’000 Mal zitiert. Damit gehört er zu den Hundert weltweit am häufigsten zitierten Physikern. Über seine engere wissenschaftliche Tätigkeit hinaus hat er sich mittels Zeitungsartikeln, Fernsehsendungen und der Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen stark für die Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse an eine breite Öffentlichkeit engagiert.